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Newsletter 14

vom 1. Juli 2021

Neuigkeiten aus dem Verein

Das Begegnungszentrum Doppeltür hat einen weiteren Meilenstein erreicht: Im Mai 2021 wurde der Szenografie-Wettbewerb entschieden, die Wahl fiel auf die Rappaport Szenographie Architektur GmbH, Zürich. Die Konzeptideen aller vier beteiligten Unternehmen waren geprägt durch hohe Qualität und Kreativität. Den Ausschlag gab schlussendlich das grössere Umsetzungspotenzial, das der Verein in der von Rappaport in Zusammenarbeit mit Studio Roth&Maerchy präsentierten Konzeption «Menschen und Zeiträume» sah.
Rappaport Szenographie Architektur GmbH / Studio Roth&Maerchy
Wie genau sich das Doppeltür Begegnungszentrum in Lengnau dann präsentieren wird, können die Besucherinnen und Besucher nach der geplanten Eröffnung in der zweiten Jahreshälfte 2023 selbst sehen und erleben.
Am 22. Juni 2021 führte der Verein Doppeltür seine vierte Generalversammlung durch. Corona-bedingt fand der Anlass aufgrund der grösseren Kapazität in den Räumlichkeiten des Historischen Museums in Baden statt. Auf einen Apéro musste leider verzichtet werden. Nach dem geschäftlichen Teil der GV wurden die Anwesenden von Alain Rappaport aus erster Hand über mögliche szenografische Umsetzungsansätze für das Begegnungszentrum informiert. Anschliessend wurde Valérie Arato Salzer verabschiedet, welche im Auftrag des SIG die Geschäftsstelle des Vereins Doppeltür mit grossem Engagement und Einsatz während zweier Jahre bis Ende 2020 geleitet hatte.

Im Bereich Fundraising gab es nach der substanziellen Unterstützung durch den Kanton Aargau aus dem Swisslos-Fonds und der Ernst Göhner Stiftung weitere erfreuliche Zusagen beziehungsweise Spenden – unter anderem von der Vontobel Stiftung und zahlreichen Privatpersonen. Von den bis 2024 budgetierten 11.2 Millionen Franken konnten bis jetzt rund 2/3 erreicht werden. Helfen Sie mit, damit wir gemeinsam auch noch den Rest schaffen. Herzlichen Dank.

Projekt-Neuigkeiten

Nach dem von ihr organisierten und durchgeführten Szenografie-Wettbewerb fokussierte die Arbeitsgruppe Inhalt auf die Weiterführung ihrer Recherche-Arbeiten, die Rohfassung erster Texte sowie Organisations- und Abstimmungsfragen. Dabei wurden auch die konkreten Aufgaben und Zeitpläne für die Arbeitsgruppe in einem Vertrag mit dem Verein Doppeltür definiert. Zudem fanden erste Koordinationsabsprachen mit dem Szenografen statt.
 
Der Vorstand nahm das Grobkonzept der Arbeitsgruppe Schulen sehr positiv zur Kenntnis und gab grünes Licht zur weiteren Bearbeitung. Mit dem modularen Aufbau und der Erweiterung der bereits bestehenden Angebote des Kulturwegs und mit der Pädagogischen Hochschule FHNW sowie dem Historischen Museum Baden als Partnerorganisationen sollen ansprechende, lehrplangerechte Unterrichtsmaterialien und ein attraktiver ausserschulischer Lernort entstehen. Nun geht es darum, mit der Arbeitsgruppe Inhalt und den Kooperationspartnern die Schnittstellen zu definieren sowie anschliessend die Zusammenarbeit vertraglich zu regeln und danach mit der Umsetzung der geplanten Massnahmen zu beginnen.

 
Sidler Architekten AG
Im Bereich Infrastruktur konnten die Beratungen und Abklärungen mit den Behörden und dem Denkmalschutz erfolgreich beendet werden. Die gemeinsam beschlossenen Änderungen wurden vom Architekturbüro Sidler umgesetzt. Dieses Vorprojekt befindet sich nun bei der Bauverwaltung Surbtal und ist anschliessend vom Vorstand des Vereins Doppeltür zu verabschieden. Als nächste Schritte erfolgen dann die Ausarbeitung des Bauprojekts und die Baueingabe für den Umbau des Lengnauer Doppeltürhauses ins neue Begegnungszentrum.
Sidler Architekten AG

Menschen hinter den Doppeltüren

Heute mit Nadia Guth Biasini, Präsidentin des Trägervereins des Jüdischen Museums der Schweiz

Seit 2005 besteht eine Zusammenarbeit der Europäischen Routen bzw. Wege der Jüdischen Kultur und dem Jüdischen Kulturweg Endingen-Lengnau. Auslöser dieser Kooperation war der Europäische Tag der Jüdischen Kultur, der seit mehr als 20 Jahren jeweils am ersten Sonntag im September stattfindet.
An diesem Tag widmen sich städtische und jüdische Einrichtungen, Institutionen und Organisationen in der Schweiz und in über 30 europäischen Ländern den aktuellen Fragestellungen zu Geschichte, Kultur, Religion und Gegenwart der Jüdinnen und Juden Europas. Verantwortlich für die Schweiz ist das Jüdische Museum der Schweiz, Basel, dessen Trägerverein von Nadia Guth Biasini präsidiert wird.
Doppeltür (DT): Welches sind die Hauptziele des Europäischen Tages der Jüdischen Kultur?

Nadia Guth Biasini (NGB): "Der Europäische Tag der Jüdischen Kultur (ETJK) setzte im Jahr 2000 als europaweiter Anlass ein. Seit 2000 bieten an die 30 Länder Europas und 6 bis 9 Schweizer Städte und Ortschaften ein umfangreiches, attraktives Programm für ein breites Zielpublikum an. Mir schien es ausserordentlich wichtig, dass die Schweiz an einem Anlass, der in ganz Europa angeboten und unter dem Banner der EU eingeführt wird, prominent teilnimmt. Deshalb habe ich gleich 2000 mit der Organisation dieses Anlasses für die Schweiz begonnen, der auch seit Anfang gut besucht und aufgenommen wird.

Dass möglichst viele Schweizer Städte und Regionen an diesem Anlass mit von der Partie sind, ist in meinen Augen ausserordentlich wichtig. Eine Zusammenarbeit von jüdischen Einrichtungen und Organisator:innen aus Basel, Zürich, Endingen-Lengnau, Baden, Bern, Winterthur, Delémont und La Chaux-de-Fonds, Lausanne, Genève wie auch dem Tessin bietet eine gute Grundlage für weitere gemeinsame Kooperationen und Projekte. Diese sind meiner Meinung nach auch für das schweizweite Engagement des SIG wichtig.

Seit Anfang gehören die Synagogenführungen zu unseren Hits. Die beachtliche Auswahl an attraktiven, wohl vorbereiteten Programmen ist überaus erfreulich. Rund um das jeweilige Thema werden Führungen und Rundgänge, Lesungen, Vorträge, Podien, Konzerte, Filme, Degustationen, Kochkurse wie auch Workshops angeboten.

Mit diesen Veranstaltungen des ETJK sind zudem die Itinéraires Européens oder Routes verbunden, die seit 2019 auch vom Bundesamt der Kultur BAK gefördert werden. In Basel, Genève und auch Endingen-Lengnau werden seit vielen Jahren monatlich öffentliche Synagogenführungen angeboten, die gut besucht sind."

DT: Wo sehen Sie dabei die grössten Herausforderungen und wie kann darauf reagiert werden?
 
NGB: "Um den Unterhalt der jüdischen Bau- und Kulturdenkmäler Europas zu garantieren - eines der zentralen Ziele des europäischen Tages, sind umfangreiche Mittel und auch regelmässige Unterhaltsarbeiten erforderlich. Für viele Orte und Länder ist dies nur schwer machbar, weshalb eine zentrale, europaweite Stelle sich mit diesen Fragen befassen sollte. Im Hinblick auf unseren gesamtschweizerischen Anlass, der die französischsprachige Schweiz und das Tessin einbezieht, freue ich mich sehr darüber, wie aktiv die einzelnen Organisator:innen der verschiedenen Einrichtungen und Vereine ihre ausserordentlich attraktiven Programme vorbereiten. Allerdings erlaube ich mir zu erwähnen, dass ein Schweizer Anlass dieser Grössenordnung nicht einfach durchzuführen und zu koordinieren ist." 
 
DT: Das Jüdische Museum der Schweiz wurde 1966 als erstes jüdisches Museum im deutschsprachigen Raum nach dem Krieg eröffnet. Was waren im Rückblick die Meilensteine in der Entwicklung des Museums?
 
NGB: "In Europa nahm die Eröffnung des Jüdischen Museums der Schweiz in der Nachkriegszeit eine Pionierrolle ein. Als Meilenstein bezeichnen würde ich bereits, dass das Museum seit 55 Jahren kontinuierlich für Besucher:innen, Gruppen und Experten offen ist und dessen Sammlung und auch Programme den jüdischen Museen Europas, der USA und eigentlich weltweit wohl bekannt sind.

Das Museum ist eingebunden in das aktive Netzwerk der European Jewish Museums AEJM. Die Etablierung unter den Basler Museen sowie die gute Verbindung des Jüdischen Museums der Schweiz zu den Basler und Schweizer Museen und auch mit der Region, welche die langjährige Leiterin Dr. Katia Guth-Dreyfus hergestellt hat, sind keineswegs selbstverständlich.

Die gut besuchten und medial sehr beachteten Ausstellungen wie diejenige des Historischen Museums Basel Reduit Basel 39/45 von 1989 wie auch die Ausstellung Der Erste Zionistenkongress in Basel in der Kunsthalle Basel, zu denen das Jüdische Museum einiges beigetragen hat, und auch jene anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Museums zu Juden im Elsass im Volkskundemuseum auf dem Basler Münsterplatz sind nicht unwichtige Schritte in Richtung eines Museums, das aktuelle Formen der Präsentation und Szenografie sowie der Programme anbietet.

2007 konnten die Räume des Museums an der Kornhausgasse erweitert werden. Von 2017 an wurden die Sonderausstellungen, die unter der Leitung von Dr. Naomi Lubrich in der Galerie am Petersgraben eingerichtet wurden, von Publikum und Medien über die Grenzen hinaus sehr gut aufgenommen.

2023 soll das neue Haus an der Vesalgasse 5 in Basel mit 750 m2 eröffnet werden, bereits jetzt kann dort die Ausstellung buchstäblich jüdisch angeschaut werden. Im 19. Jahrhundert als Kolonialwarenlager auf vier Stockwerken erbaut, bietet das neue Haus in der Basler Altstadt Platz für Dauer- und Wechselausstellungen, Werkstatt- und Veranstaltungsräume, Bibliothek und Büro. Der neue Museumsstandort auf dem Areal des ersten jüdischen Friedhofs der heutigen Schweiz (1200-1349) und in unmittelbarer Nähe der Universität wie auch der Synagoge soll ein lebendiges Begegnungszentrum für jüdische Kultur werden." 
 
DT: Wie können gemäss Ihren Erfahrungen breite Bevölkerungskreise für Fragen des Zusammenlebens unterschiedlicher Religionen, Kulturen am besten angesprochen werden?
 
NGB: "Meines Erachtens ist ausserordentlich wichtig, dass in den Schulen das Thema des Zusammenlebens und Austauschs zwischen wie auch des Erarbeitens der Gemeinsamkeiten unter den Religionen fundiert behandelt wird. Auch interreligiöse Dialoge und Plattformen, die ja schon länger bestehen, sind von zentraler Bedeutung."
 
DT: Welche Bedeutung hat in Ihren Augen der Jüdische Kulturweg Endingen-Lengnau für die jüdische und nicht-jüdische Bevölkerung?
 
NGB: "Der Kulturweg Endingen-Lengnau mit den beiden Synagogen, den Doppeltürhäusern, den beiden Ortschaften mit ihrem jüdischen Friedhof ist eine besonders spannende Initiative. Der Rundgang durch Synagogen, Dörfer und Friedhof ist äusserst geeignet, um dem Publikum die Lebensweise der Landjuden vor und in kleinerem Ausmass auch nach der Emanzipation verständlich zu machen. Das Jüdische Museum ist sehr angetan vom Kulturweg, der auch zu den regelmässig durchgeführten European Routes oder Itinéraires Européens de la Culture Juive in Basel und Genève beiträgt."
 
DT: Welche Erwartungen, Anregungen haben Sie an das Projekt Doppeltür?
 
NGB: "Endingen und Lengnau sind Orte, die den Besucher:innen das Schweizer Judentum und dessen Hintergründe in einem ansprechenden Rahmen nahebringen können. Das Projekt Doppeltür wird bestimmt grosses Interesse wecken. Auch die Initiative, die Fragen und Inhalte des christlich-jüdischen Zusammenlebens in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wie auch der Toleranz thematisiert, ist vielversprechend. Endingen und Lengnau können einem breiten Publikum – Schulklassen und auch vielen weiteren Gruppen und einzelnen Besuchern – Einblicke in ein Zusammenleben auf engem Raum vermitteln, dessen Grundlage seit Jahrhunderten Toleranz ist. Dank der etwas abgelegenen, pittoresken Lage der Dörfer können Themen wie Zusammenleben in Toleranz in Ruhe besprochen und diskutiert werden. Zudem sind Konferenzen, Veranstaltungen, Konzerte in diesem ländlichen Rahmen für die Teilnehmer:innen ein Erlebnis."

Hinweise

  • SRF Tagesgespräch mit dem Historiker Jacques Picard und dem Präsidenten der Auslandschweizer-Organisation Remo Gysin zum Thema "Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus", 26. Mai 2021 
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