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Newsletter 15

vom 2. November 2021

Neuigkeiten aus dem Verein - Runder Tisch und Sounding Board

Am 18. Oktober 2021 organisierte der Verein Doppeltür einen Runden Tisch für die verschiedenen Organisationen im Surbtal mit Bezug zur Geschichte und zum Judentum im zukünftigen Begegnungszentrum in Lengnau. Der Anlass diente dem gegenseitigen Kennenlernen, dem Informationsaustausch sowie der Vernetzung und stiess auf grosses Interesse. So wurden bereits erste Möglichkeiten zur Zusammenarbeit ausgelotet und Ideen für allfällige gemeinsame Projekte diskutiert. Die Basis für die weitere Entwicklung ist gelegt, zudem wurde die jährliche Durchführung des Runden Tisches beschlossen.
(Foto zur Verfügung gestellt von Seraina Conrad)
 
Im Bereich der Vereinsstrukturen wurde ein Sounding Board Inhalte als Feedbackmöglichkeit berufen, welches von Jacques Picard geleitet wird. Es besteht aus Expertinnen und Experten in Geschichte, Religion, Ethik und Szenografie/Ausstellung. Sie tragen im Rahmen der inhaltlichen Entwicklung deren Qualität, Angemessenheit und Prioritätensetzung bei. Die Zusammensetzung des Sounding Boards soll dynamisch gehalten werden, damit je nach Bedürfnis weitere Personen hinzugezogen werden können.

Projekt-Neuigkeiten - Konzepte, Kick-Offs und Verträge

Die Arbeitsgruppen Inhalt und Schulen sind mit Hochdruck an der Arbeit, deren Schwerpunkt liegt aktuell vor allem im konzeptionellen Bereich. So soll beispielsweise bis März 2022 das szenografische Konzept für das Begegnungszentrum in Lengnau vorliegen. 

Zudem fanden verschiedene Kick-Off-Meetings statt, gilt es doch die neu involvierten Spezialistinnen und Spezialisten auf den gleichen Informationsstand zu bringen und konkrete Aufträge sowie das weitere Vorgehen zu definieren. Entsprechend mussten zahlreiche Verträge ausgearbeitet, schlussverhandelt und unterschrieben werden – für Architekt und Szenograf sowie deren Fachplaner. 
 
Ein Zusammenarbeitsvertrag wurde auch mit der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) abgeschlossen. Dabei geht es um die Erarbeitung von Unterrichtsmaterialien zum jüdisch-christlichen Zusammenleben im Rahmen des Projekts Doppeltür. Die Wirksamkeit des Schulmaterials wird zudem in einem begleitenden Forschungsprojekt überprüft, welches die PH FHNW auf eigene Kosten durchführt. Die Zielgruppe Schulen und die Aktivitäten im Bildungsbereich sind für den Verein Doppeltür von zentraler Bedeutung, die Kooperation mit der PH FHNW ist dabei ein wesentlicher Baustein. 

 
(Foto zur Verfügung gestellt von der PH FHNW)

Menschen hinter den Doppeltüren

Heute mit Alain Rappaport

Seit 1997 entwirft und realisiert die Rappaport Szenographie Architektur GmbH Bühnenräume und Ausstellungen. Deren Gründer, Alain Rappaport, studierte und diplomierte Architektur an der ETH Zürich und in bildender Kunst an der Zürcher Hochschule der Künste. 

(Foto zur Verfügung gestellt von Alain Rapport)
Nach dem Studium arbeitete Alain Rapport als Architekt im Studio dpd9 in New York und als Bühnenbildassistent am Schauspielhaus Zürich. Seit 1995 ist er selbstständig als Bühnenbildner, Ausstellungsarchitekt, Dozent und Künstler tätig.
 
Nach Abschluss des Ende 2020 lancierten Wettbewerbs wählte der Verein Doppeltür die Rappaport Szenographie Architektur GmbH im Frühling 2021 für die Szenografie des Begegnungszentrums in Lengnau. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Inhalt als Kuratorium entwickelt nun die Rappaport Szenographie Architektur das entsprechende Ausstellungskonzept.
Doppeltür (DT): Wie würden Sie die DNA der Rappaport Szenographie Architektur umschreiben?
 
Alain Rappaport (AR): Für mich sind Einflüsse aus dem ganzen kulturellen Spektrum wichtig. Ich interessiere mich gleichermassen für bildende Kunst, Theater, Film sowie Architektur und arbeite in meinen szenografischen Projekten oft an den Schnittstellen dieser Bereiche. Dafür schliesst sich mein Atelier temporär auch mit Partnerinnen und Partner verwandter Bereiche zusammen, wie zum Beispiel Grafik, Animation, Film, Graphic Novel, Lichtdesign und Medienplanung. Unsere Projekte sind meist entweder im musealen- oder im theatralen Kontext angesiedelt. Diese doppelte Ausrichtung produziert immer wieder interessante Synergien.
 
DT: Auf was legen Sie bei Ihren Szenografien besonderen Wert?
 
AR: Ich versuche, für jedes Projekt wieder bei null zu beginnen. Als erstes wird alles zusammengetragen und studiert, was die unterschiedlichen Kontexte einer Aufgabe ausmacht. Das sich Bewusstwerden dieser Kontexte ermöglicht es erst, spezifische Konzepte zu entwickeln. Neben dem, was inhaltlich vielleicht schon vorhanden ist, kommt auch dem vorgesehenen räumlichen Rahmen eine zentrale Rolle zu. Eine szenografische Idee kann in einem bestimmten Raum absolut sinnstiftend sein, während sie an einem anderen Ort das Gegenteil bewirken kann.  
 
DT: Wie hat sich die Szenografie in den letzten Jahren entwickelt?
 
AR: Seit der Jahrtausendwende – unter dem Einfluss und wegen der Möglichkeiten der Weltausstellung «Expo 2000» in Hannover und der schweizerischen Landesausstellung «Expo 02» – hat der Begriff der Szenografie im Zusammenhang mit Ausstellungen im deutschsprachigen Raum erst an Kontur und Verbreitung gewonnen. Damit gemeint ist eine Ausstellungsgestaltung, die sich unterschiedlichster Medien bedienen kann und über die primäre Raumgestaltung hinausgeht. Sie kann Räume beinhalten, die in ihren vielschichtigen medialen Ausprägungen einen wesentlichen Teil der Erzählung übernehmen können. Partizipation, Interaktivität und Immersion (Eintauchen) sind in diesem Zusammenhang wichtig geworden, also alles Begriffe, die mit einem gesteigerten Einbezug der Besucherin und des Besuchers zu tun haben. Die Bezeichnungen Szenografie und Ausstellungsarchitektur sind zwar nicht klar abgrenzbar, denn auch das Verwenden primär architektonischer Mittel schliesst ein Miterzählen nicht aus. Grundsätzlich braucht aber vielleicht eine Kunstausstellung mit hauptsächlich hochwertigen Exponaten weniger Szenografie als eine thematische Ausstellung ohne solche.   
 
DT: Was hat Sie am Projekt Doppeltür fasziniert?
 
AR: Durch meinen familiären Hintergrund wusste ich bereits in meiner Jugend um die Existenz und spezielle Rolle der beiden Dörfer Endingen und Lengnau für das Schweizer Judentum. Diesen aussergewöhnlichen historisch geografischen Raum mit seinen Formen des Zusammenlebens und der Doppeltür Typologie fand ich schon damals sehr spannend. Als ich dann letztes Jahr zum Szenografie Wettbewerb eingeladen wurde, hat mich an der bereits vorhandenen Konzeption des Projektes Doppeltür unter anderem das Verbinden historischer Ebenen mit zeitgenössisch relevanten Themen bezüglich des Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen interessiert.  
 
DT: Was macht das Projekt aus Ihrer Sicht einzigartig? Was sind seine Alleinstellungsmerkmale?
 
AR: Dass an den beiden Orten noch so viele bauliche Zeugen diesen speziellen Teil schweizerischer Geschichte dokumentieren und dieser durch das hier angesiedelte Projekt Doppeltür zum Leben erweckt werden kann, stellt eine grosse Chance dar und wird sicher sehr aussergewöhnlich sein. Weiter bietet der Fakt, dass wir nun die Ausstellung selbst für eines der zentral gelegenen Doppeltür Häuser in Lengnau entwickeln können, ein grosses Potential an sinnstiftenden Kontexten und Bezügen.
 
DT: Wie kann der Spagat gelingen zwischen den sehr unterschiedlich ausgerichteten Zielgruppen – insbesondere zwischen Action-/digital-affinen Jugendlichen und inhaltsorientierten Erwachsenen, welche die traditionellen Medien bevorzugen?
 
AR: Durch das Parallelschalten unterschiedlicher Ebenen und medialer Angebote können verschiedene Besuchergruppen zwar individuell angesprochen werden. Ich möchte aber die in Ihrer Frage suggerierte klare Abgrenzung der genannten Besuchergruppen zur Diskussion stellen. Alle Angebote sollen Inhalte mit einer gewissen Tiefe vermitteln, was aber nicht heisst, dass sie für die einen oder die anderen anstrengend in der Wahrnehmung sein müssen. Wenn das Gezeigte in seiner medialen Nutzung weitgehend selbsterklärend ist, würde ich auch einen generationenübergreifenden Zugang als wahrscheinlich erachten.  
 
DT: Es ist zwar noch etwas früh für konkrete Angaben, aber was wird die Besucherinnen und Besucher im Begegnungszentrum in Lengnau erwarten?
 
AR: Es wird eine auf allen Ebenen vielfältige Ausstellung werden, in der Menschen und ihr Zusammenleben im Zentrum stehen durch die Geschichte bis ins Jetzt. Die Besucherinnen und Besucher werden sich selbst einbringen können und es ist die Absicht, dass sie dabei auch einiges über sich selber erfahren können.

Hinweise

  • Im Bereich Fundraising ist der Verein Doppeltür auf gutem Weg, nach wie vor braucht es jedoch zusätzliche Anstrengungen. Helfen Sie mit, indem Sie uns mit Ihrer Spende beschenken oder eine Türe zu weiterer finanzieller Unterstützung öffnen. Herzlichen Dank!
     
  • Wir haben das Projektdossier aktualisiert. Es steht auf Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch auf unserer Website zur Verfügung.
     
  • Eine 5.5-Zimmer Wohnung ist im Doppeltürhaus am Spycherweg 2 in Lengnau frei geworden. Sie kann ab sofort für rund 1.5 Jahre gemietet werden (nachher beginnt der Umbau des Hauses zum Begegnungszentrum). Miete inkl. Nebenkosten: 2’480 CHF pro Monat. Bei Interesse melden Sie sich bitte direkt bei Lukas Keller, 079 431 95 13.
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