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NEWSLETTER 10

2. Juli 2020

DER JÜDISCHE KULTURWEG ENDINGEN-LENGNAU IST TEIL VON PROJEKT DOPPELTÜR

Vor elf Jahren wurde der Jüdisch-Christliche Kulturweg eröffnet. Im Beisein der damaligen ersten jüdischen Bundesrätin und Surbtalerin Ruth Dreifuss und Hunderten von Gästen aus Nah und Fern fand die würdige Feier statt. Elf Jahre und ein Jubiläum später stellt man fest, dass der Kulturweg ein grosser Erfolg geworden ist. In den vergangenen Jahren haben sich Zehntausende Menschen, unter der fachkundiger Führung von engagierten Guides, auf die Spuren der wechselvollen jüdisch-christlichen Geschichte im Surbtal begeben. Und nicht nur ist der Kulturweg Teil des Projekts Doppeltür geworden. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass das Projekt Doppeltür sowohl aus dem Kulturweg heraus entstanden ist, als auch künftig zu einem der zentralen Elemente des Projekts Doppeltür ausgebaut werden soll.

Ein Jahr später scheint es angbracht, noch einmal auf den Festakt des
10-Jahr-Jubiläums des Jüdischen Kulturweges zurückzublicken und besonders einen Ehrengast und Redner in Erinnerung zu rufen: Landammann Dr. Urs Hofmann betonte in seiner bemerkenswerten Grussbotschaft die Bedeutung des Kulturwegs als Kulturinstitution im Kanton Aargau und darüber hinaus. Dabei überbrachte er auch eine wichtige politische Botschaft: «Der Kulturweg ist ein Zeichen dafür, dass Jüdinnen und Juden Teil der Schweizer Gesellschaft sind, dass sie integriert sind und ihre eigenen religiösen Formen pflegen können. Leider war das nicht immer selbstverständlich – auch dafür stehen die beiden Dörfer Endingen und Lengnau.» Lesen Sie die gesamte Grussbotschaft von Landammann Urs Hofmann hier.
Apéro anlässlich des Jubiläums des Kulturwegs: Landamman Dr. Urs Hofmann im Gespräch mit Susanne Holthuizen.

DIE MENSCHEN HINTER DEN «DOPPELTÜREN»
HEUTE MIT SUSANNE HOLTHUIZEN

Lang ist die Liste von den Aktivitäten und Interessen, die Susanne Holthuizens Tage ausfüllen. Nicht nur ist sie Inhaberin und kreativer Kopf einer Kommunikationsagentur, sondern auch viel beachtete Dokumentarfilmerin (z.B. «Mittendrin in Chur», 2019). So ist sie ständig auf Achse und immer am Ideen sprudeln. Woher sie die Zeit nimmt für ihr kulturelles und soziales Engagement, das sie mit Leidenschaft betreibt, bleibt ein Rätsel. Die vielen Projekte im Sozial- und Präventionsbereich waren Teil ihrer langjährigen Aufgabe als Lengnauer Gemeinderätin und später als Präsidentin des Surbtaler Sozialdienstes.
Und immer wieder ist es die Kultur, die ihr den Ärmel reinzieht. Seit 2014 ist Susanne Holthuizen Präsidentin der Betriebskommission Jüdischer Kulturweg Endingen-Lengnau und steckt dafür Unmengen von Herzblut, Zeit und Energie hinein.
Wieso es Susanne Holthuizen so wichtig ist, dass jedes Surbtaler Schulkind die Lengnauer Synagoge von Innen kennt? Lesen Sie gleich selber...

«DAS SURBTAL IST AUF DER NATIONALEN LANDKARTE ANGEKOMMEN»

Vor über vierzig Jahren führte mein Schulweg an der Synagoge Lengnau vorbei. Niemand hat uns damals erklärt, warum wir eine Synagoge in diesem Dorf haben – und niemand hat uns das besondere Kulturerbe nähergebracht. In den Lehrbüchern stand rein gar nichts geschrieben über die historische Bedeutung des Surbtals im 17. bis 19. Jahrhundert. Keine Lehrperson hat uns jemals etwas über die Familie Guggenheim erzählt oder uns ins Innere dieser Synagoge geführt. Das Wort «Emanzipation» kannte ich nur im Zusammenhang mit der Gleichstellung der Frau. Wir wuchsen hier auf – nichtsahnend und uninformiert. Am Sabbat fielen uns zwar hie und da die festlich gekleideten Menschen auf, die Frauen in langen Röcken und die Männer mit der traditionellen Kippa, die mit ihren Familien durchs Dorf spazierten. Für uns waren es aber nur irgendwelche Besuchende vom Alters-Asyl, das von einem jüdischen Ehepaar geführt wurde.

Szenenwechsel: Die Lengnauer Dorfmusik spielt den Dreifuss-Marsch auf und als Krönung tritt die musikalisch Geehrte, die damalige Bundesrätin Ruth Dreifuss, gleich selber noch auf und rundet den feierlichen Rahmen der Eröffnung des Jüdischen Kulturwegs würdevoll ab.
Hunderte Interessierte sind auf dem schönen Lengnauer Dorfplatz erschienen, um dem Ereignis beizuwohnen, die Medien aus Nah und Fern übertrumpfen sich selbst in ihrer Berichterstattung – das Surbtal ist definitiv auf der nationalen Landkarte angekommen. Es ist der 21. Mai 2009 und ich bin seit fast einem halben Jahr Mitglied im Lengnauer Gemeinderat, mitunter verantwortlich für das Ressort Kultur – zweifelsohne ein fulminanter Einstieg!
 
Dem Erfolg dieses einzigartigen Kulturerbes scheint seit der Eröffnung vor elf Jahren nichts im Weg zu stehen und in der Tat, die Zahl der Besuchenden hat unterdessen die 30’000er Grenze gar überschritten. Anfragen für Führungen erreichen uns von überall her. Mittlerweile sind acht Guides im Einsatz, die im Namen des Jüdischen Kulturwegs Führungen zu verschiedenen Themenbereichen durchführen. Auch wird ein Schulmodul für Jugendliche ab Sekundarstufe angeboten: spielerisch können die Schülerinnen und Schüler Wissenswertes über die Konvivenz von Christen und Juden in jener Zeit erkunden. Es freut mich sehr, dass dieses lang schlummernde Kulturerbe endlich zum Leben erweckt wurde!
 
Zum Gedeihen dieses spannenden Projektes bedurfte es zweifelsohne eines grossen Engagements von vielen verschiedenen Personen. Besonders hervorzuheben ist Franz Laube, der während über 40 Jahren mit unersättlicher Neugier in historischen Schriften forschte. Und Roy Oppenheim, der sich schon seit den 1990er Jahren mit dem «Haus der Toleranz» und viel Herzblut für die Wiederbelebung dieser wunderbaren Zeitzeugnisse einsetzte.
Ohne die tatkräftige Unterstützung der beiden Gemeinden Endingen und Lengnau sowie den jüdischen Institutionen aus dem Surbtal hätte dieses Unterfangen nie die heutige Dimension erreichen können. Eine Kommission aus Vertreterinnen und Vertreter dieser Interessensgruppierungen sorgt sich seither um den mittlerweile zum Betrieb ausgebauten Kulturweg.
 
Die Geschichte aus dem Surbtal berührt die Menschen – einige, wie beispielsweise Charles Lewinsky so sehr, dass daraus sogar Weltbestseller entstehen oder prämierte Filme, wie «Wolkenbruch» von Regisseur Michael Steiner, wo eine Szene mit Joel Basman gar in der Lengnauer Synagoge gedreht wurde.

Auch wir sind nicht untätig geblieben und mittlerweile in das Vermittlungsprojekt «Doppeltür» eingetaucht. Mit dem Erwerb eines Doppeltürhauses im Lengnauer Dorfzentrum und dem Ausbau zum Begegnungszentrum möchten wir einen Raum schaffen, der Menschen verschiedenster Kulturen und Religionen offensteht und der das friedliche Zusammenleben kultiviert.
 
Heute, und darauf sind wir sehr stolz – besonders ich – kennt jedes Schulkind aus dem Surbtal die besondere Geschichte vom Zusammenleben der Christen und Juden in unserer Region! Nun bleibt zu hoffen, dass das Kulturerbe auch in der ganzen Schweiz Eingang in die Lehrbücher finden wird.

Vielen Dank für Ihr Interesse und hoffentlich auf bald – auf dem Kulturweg oder bei einem Anlass von «Doppeltür» – besuchen Sie uns, wir freuen uns auf Sie!
 
Susanne Holthuizen, Präsidentin Betriebskommission Jüdischer Kulturweg

AUF DEM JÜDISCHEN KULTURWEG DIE GESCHICHTE VON LENGNAU UND ENDINGEN ENTDECKEN

Die Bauten des jüdischen Kulturerbes prägen bis heute die beiden Dörfer Endingen und Lengnau, die als Ortsbilder von nationaler Bedeutung eingestuft sind. Nirgendwo in der Schweiz existiert eine derartige Dichte an jüdischer Baukultur. Als Teil vom Vermittlungsprojekt Doppeltür macht der Jüdische Kulturweg dieses kulturelle Erbe zugänglich. Die Besuchenden können aus gegenwärtig sechs Führungsformaten mit verschiedenen Schwerpunkten viel Wissenswertes über die 400-jährige Konvivenz von Christen und Juden im Surbtal erfahren. Der Jüdische Kulturweg gehört zum immateriellen Kulturerbe der Schweiz und ist auf der UNESCO Liste der «Lebendigen Traditionen» aufgeführt.

Führung 1 – Schwerpunkt Geschichte (Endingen oder Lengnau)
Rundgang in einem der beiden Dörfer mit Besichtigung der Synagoge. Informationen über Geschichte, jüdische Gemeindebauten, Häuser mit Doppeleingängen, Mikwe, Schulhaus, Margoa (Israelitische Alters- und Pflegeheim in Lengnau), Schlachthaus etc., das damalige Zusammenleben zwischen jüdischer und christlicher Bevölkerung.

 

Führung 2 – Schwerpunkt Geschichte (Endingen oder Lengnau mit israelitischem Friedhof)
Rundgang in einem der beiden Dörfer mit Besichtigung der Synagoge sowie des israelitischen Friedhofes zwischen Endingen und Lengnau. Informationen über Geschichte, jüdische Gemeindebauten, Häuser mit Doppeleingängen, Mikwe, Schulhaus, Margoa (Israelitische Alters- und Pflegeheim in Lengnau), Schlachthaus etc., das damalige Zusammenleben zwischen jüdischer und christlicher Bevölkerung. 

Führung 3 – Schwerpunkt Geschichte (Endingen und Lengnau mit israelitischem Friedhof)
Rundgang in beiden Dörfern mit Besichtigung der Synagogen sowie des israelitischen Friedhofes zwischen Endingen und Lengnau. Informationen über Geschichte, jüdische Gemeindebauten, Häuser mit Doppeleingängen, Mikwe, Schulhaus, Margoa (Israelitische Alters- und Pflegeheim in Lengnau), Schlachthaus etc., das damalige Zusammenleben zwischen jüdischer und christlicher Bevölkerung.

Führung 4 – Schwerpunkt Zusammenleben (Lengnau)
Rundgang in Lengnau mit Besichtigung der Synagoge. Der Schwerpunkt dieser Führung in Lengnau liegt auf dem Thema Zusammenleben zwischen der jüdischen und der christlichen Bevölkerung im Surbtal. Auch wird die Geschichte der Schweiz sowie der näheren Umgebung, Baden und die Messe Zurzach, während dieser Zeit sowie nach der Emanzipation beleuchtet.
 
Führung 5 – Schwerpunkt Rituale und Essen (Endingen oder Lengnau mit israelitischem Friedhof)
Der Schwerpunkt dieser Führung liegt auf dem Thema Essen und Rituale. Bekommen Sie einen exklusiven Einblick in das Leben und den Alltag einer jüdischen Familie von einer Jüdin. Zudem wird jeweils die Synagoge und in Lengnau auch die Mikwe besichtigt.
 
Führung 6 – Schulmodul (Lengnau)
Dieses Führungsformat wurde für Schülerinnen und Schüler im Alter von 8 - 14 Jahren entwickelt. Es gibt einen Postenlauf zu absolvieren. Lehrpersonen erhalten Unterrichtsmaterial zur schulischen Vorbereitung auf den Postenlauf.
 
Die Führungen dauern zwischen 1.5 Stunden bis 3 Stunden (Führung 3) und finden bei jeder Witterung statt. An Samstagen (Schabbat) sowie hohen christlichen und jüdischen Feiertagen werden keine Führungen angeboten.
Bitte beachten Sie ausserdem das Schutzkonzept aufgrund der Corona-Pandemie.

Information und Buchung
Geschäftsstelle jüdischer Kulturweg Endingen Lengnau
Zürichstrasse 34
CH-5426 Lengnau

Telefon +41 (0)56 266 50 10
info@juedischerkulturweg.com
www.juedischerkulturweg.com

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Würenlingerstrasse 11 | 5304 Endingen | info@doppeltuer.ch


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