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AUSGABE 74 | KW18 | → Onlineversion

Hallo aus dem Homeoffice!

 

Eines meiner wichtigsten Anliegen ist es, Menschen zu ermutigen, mehr Eigenverantwortung zu leben. In diesem Newsletter geht es um eine kleine Gewohnheit, die ich in vielen Teams beobachte. Diese Gewohnheit ist so eine Art Gegenspieler der Eigenverantwortung. Es geht um Stellvertreterspannungen.

Spannungen vs. Stellvertreterspannungen

Um erklären zu können, was Stellvertreterspannungen sind, möchte ich zunächst mit einer kurzen Definition von arbeitsbezogenen → Spannungen starten:

Eine Spannung ist für mich jeder Impuls, den ich wahrnehme, der zur Veränderung der Organisation beitragen könnte. Das kann alles Mögliche sein: eine Idee, die ich hatte, eine Formulierung eine*r Kolleg*in, über die ich mich geärgert habe oder eine Frage, die mir gestellt wurde. Eigenverantwortliches Arbeiten heißt für mich, dass ich diese Spannung nicht nur wahrnehme, sondern auch selbst einbringe.

Stellvertreterspannungen sind nun das, was in vielen Meetings einen Großteil der Zeit einnimmt: Eine Person bringt ein Thema mit ins Meeting, über das diskutiert wird, ehe irgendwann jemand nachfragt, wessen Problem da eigentlich gelöst werden soll. Die Antwort ist dann häufig, dass es die Spannung einer anderen Person sei, die heute aber nicht da ist. Oder die Person mit der Stellvertreterspannung vermutet einfach, dass das Thema für andere Anwesende relevant sein könnte (sie selbst hat aber keine Spannung).

Meiner Erfahrung nach führen solche Stellvertreterspannungen sehr selten zu etwas Gutem und sehr oft zu sinnlosen Diskussionen.

Das Kernproblem dabei ist, dass es keine*n Spannungsinhaber*in gibt, also niemanden, der*die wirklich sagen kann, wie sich die Spannung lösen lässt.

Stellvertreterspannungen lassen sich folgendermaßen abmoderieren:

  • Wenn Person A die Spannung einer Person B einbringt
    ⇒ Warten, bis die Person da ist oder die Person bitten, den Punkt außerhalb des Meetings zu klären (in Anwesenheit von Person B)
     
  • Wenn Person A die Vermutung äußert, das Thema sei für andere relevant
    ⇒ Die Person kann kurz die Information teilen, dass sie sich fragt, ob das Thema für andere relevant ist. Falls das der Fall ist, soll eine andere Person das Thema noch mal als eigene Spannung einbringen. Hier bietet es sich an, als Label “Information teilen” zu verwenden, also klar machen, dass die Person lediglich einen Gedanken teilt und dieser einfach so stehen bleiben kann.

Eine Frage, die dich durch die Woche begleiten soll:

Wie viel Prozent eurer Meeting-Zeit nehmen Stellvertreterspannungen ein, für die sich niemand verantwortlich fühlt?

Zum Abschluss noch eine aufregende Ankündigung: Wir haben die letzten drei Monate an unserer neuen Ausgabe zum Thema Co-Kreation gearbeitet.

Ich habe darin unter anderem über Meetings geschrieben, die Energie geben, und über Milliardäre, die das Klima zerstören. Und unsere Autorin Taraneh hat ganz ausführlich analysiert, warum sich das Wort „Spannung“ so gut eignet, um Veränderungspotenziale zu kommunizieren.

Die Ausgabe gibt es nur im Abo. Hier kannst du es bestellen 👇.

NN ABO HOLEN

Eine supergute Woche wünschen
Sebastian und das Team von Neue Narrative

Illustration von Sebastian am Laptop

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