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INSIDE 18/2022
Newsletter der FDP-Grossratsfraktion vom 18. November 2022
Inhaltsverzeichnis:
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Auftakt des Fraktionspräsidenten




Silvan Hilfiker, Grossrat, Fraktionspräsident, Oberlunkhofen
silvan.hilfiker@grossrat.ag.ch



Der Grosse Rat auf Abwegen, nicht aber die FDP
 
Der Rat hat am Dienstag gewütet. Er hat den Regierungsrat beauftragt, eine Quote für Biodiversitätsflächen in Quartieren zu prüfen. So soll also geprüft werden, wie der Staat vorschreiben kann, was in privaten Gärten zu pflanzen ist. Sie lesen richtig! Die FDP-Fraktion hat sich mit ihrem liberalen Gewissen erfolglos gegen diesen krassen Eingriff in die Eigentumsfreiheit und gegen die Einführung einer Gartenpolizei gewehrt. Aus unserer Sicht gibt es nichts zu prüfen, das Anliegen gehört schlicht versenkt. Die Grünliberale Partei hat diesmal auf „Grün“ gesetzt und sich zusammen mit der Mehrheit des Grossen Rates auf (liberale) Abwege begeben.

Auf Abwegen ist auch der Bund, der mit dem Notkraftwerk in Birr eine schlechte Falle macht. Wir liessen dies nicht unkommentiert, um unseren Regierungsrat zu stärken. Das Notkraftwerk Birr verletzt Grenzwerte, stösst massiv Schadstoffe aus und setzt die Bevölkerung grossem Lärm aus. Der Bund will kurzerhand die Grenzwerte anpassen und also ein eigentlich widerrechtliches Kraftwerk genehmigen, während alle Privaten bei einer Wärmepumpe den Lärmschutznachweis einhalten müssen. Das ist ein weiteres Armutszeugnis einer gescheiterten Energiepolitik! Die FDP-Fraktion ist nicht gegen dieses Notkraftwerk. Es ist wichtig, um eine Strommangellage abzufedern. Denn die Menschen und die Wirtschaft brauchen eine sichere Energieversorgung. Für uns ist aber wichtig, dass das Kraftwerk rasch durch ein definitives Kraftwerk abgelöst wird, das Umweltrecht einhält.

Der Aargauer Regierungsrat fordert gegenüber dem Bund zwar Lärmschutz, uns geht dies zu wenig weit. Wir unterstützen deshalb den Regierungsrat in seinem Bestreben, dass der Bund – wie im Umweltrecht üblich – Ausgleichsmassnahmen für den Kanton Aargau sprechen soll. Der Aargau trägt mit dem Kraftwerk eine erhebliche Last für das ganze Land. Einmal mehr retten wir die Schweiz. Das tun wir nämlich bereits mit Autobahnen, dem längsten NEAT-Streckenabschnitt aller Kantone oder drei Kernkraftwerken. Wir haben deshalb aufgerufen, gemeinsam für unseren Kanton und unsere Bevölkerung einzustehen. Wir denken nicht nur an finanzielle Massnahmen zur Finanzierung des Umweltschutzes, sondern auch an tatsächliche Verbesserungen für den Kanton Aargau, beispielsweise bei Bahnanschlüssen oder rascheren Ausbauten des Strassennetzes.

Wir sind bereit, unser Land zu retten, aber nicht zum Nulltarif. Dabei unterstützen wir unseren Regierungsrat und fordern auch die Aargauer Bundesparlamentarierinnen und Bundesparlamentarier auf, dies ebenso zu tun.

Viele Wege führen nach Rom



Claudia Hauser, Grossrätin, Vize-Parteipräsidentin, Döttingen
claudia.hauser@grossrat.ag.ch



Intensive Diskussionen zur Thematik externe Kinderbetreuung

Den grossen Diskussionsbedarf bei dieser Motion zu externer Kinderbetreuung mit sozial- und finanzpolitischen Facetten konnten wir nur erahnen, da sie bereits im Vorfeld innerhalb der FDP-Fraktion eine breite Diskussion ausgelöst hat. Und wenig überraschend hat dieses Geschäft auch lange Redezeiten im Grossen Rat in Anspruch genommen.

Einig sind wir uns im Ziel, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden muss, um damit ein Beitrag gegen den Fachkräftemangel zu leisten. Nicht einig waren wir uns, ob diese Motion, die gleichzeitig mehrere Forderungen stellt, das richtige Mittel dazu ist.

Innovation und Wettwerb zulassen

Für eine Mehrheit unserer Fraktion lässt diese Motion zu viele Fragen offen, als dass sie zum jetzigen Zeitpunkt einfach überwiesen werden konnte. Deshalb sehen wir den Kompromiss in der Überweisung des Postulats. Offen ist zum Beispiel, wie die Unternehmen auf diesen Paradigmenwechsel reagieren. Immerhin soll der Kanton Qualitätsstandards festlegen und in einem dreigliedrigen Gremium Normkosten bestimmen. Es kann und darf nicht sein, dass wir mit einer "Verstaatlichung" der Kosten der Wirtschaft sämtliche Motivation für Innovation nehmen. Es gibt bereits zahlreiche Unternehmen, welche aus eigenem Interesse und Verantwortung hinaus Plätze in ihren eigenen Firmen anbieten und sich so klar von ihren Mitbewerbern differenzieren können.

Offen ist auch die Umsetzung der Forderungen im Hinblick auf die gravierenden finanziellen Auswirkungen auf den Kanton wie auch die Gemeinden. Wie soll dies künftig finanziert werden? Sollte der Kanton von den Gemeinden Kosten übernehmen, so ist er berechtigt, dies über den Lastenausgleich zu korrigieren. Was heisst das schlussendlich für die Gemeinden – noch höhere Kosten? Weiter erhöht eine neue Verbundsaufgabe von Kanton und Gemeinde die Komplexität. Selten bis nie wird ein System auf Kantonsebene günstiger.

Saubere Auslegeordnung vor der Festlegung der weiteren Schritte

Wir sind klar der Meinung, dass die Gemeinden heute bereits ihrer Verpflichtung bewusst sind und das Thema Kinderbetreuung auch mit Blick auf ihre Standortattraktivität ernst nehmen. Es gibt hier Unterschiede wie sich die Gemeinden organisieren und dies soll in der Zuständigkeit der Gemeinden bleiben. Das System funktioniert, es ist noch jung und wird sich weiter entwickeln. Dafür braucht es Geduld und etwas Vertrauen in unser System, jedoch kein staatliches Giesskannenprinzip.

Aufgrund dieser und noch weiterer offener Fragen hat die Mehrheit FDP-Fraktion begrüsst, dass die Motionäre schlussendlich nach intensiven Diskussionen eingewilligt haben, dies wie vom Regierungsrat vorgeschlagen in ein Postulat umzuwandeln. So wird der Regierungsrat die nötigen Antworten in einer Auslegeordnung liefern und wir können gemeinsam einen Schritt in die richtige Richtung gehen können – zum Wohle aller Beteiligten. 

Richtig gerüstet sein für den Fall eines
Grossereignisses



Bruno Tüscher, Grossrat, Gemeindeammann, Münchwilen
bruno.tuescher@grossrat.ag.ch



Revision des Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetzes

Der Bevölkerungs- und Zivilschutz wurde lange stiefmütterlich behandelt, der Zivilschutz gar belächelt. In der Corona-Pandemie und nun auch in der Vorbereitung einer Energiemangellage wurde und wird vielen bewusst, dass der Bevölkerungsschutz und als Bestandteil davon der Zivilschutz essenziell für die Katastrophenbewältigung bei Grossereignissen und in ausserordentlichen Lagen ist. Das kantonale Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetz (BZG) wird nun entsprechend angepasst.

Kenner der Szene wiesen bereits während der Bearbeitung des neuen Bundesgesetzes darauf hin, dass mit der geplanten Verkürzung der Dauer der Schutzdienstpflicht von 20 auf 14 Jahre die Bestände in den Regionen wegbrechen würden. Nichts desto trotz beschloss das Bundesparlament Ende 2019 die Totalrevision des Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetzes, welches am 1. Januar 2021 in Kraft getreten ist. Daraus resultiert für den Kanton Aargau Anpassungs- und Klärungsbedarf.

Einführung obligatorische Sicherheitsveranstaltung

Im Gesetz ist die Einführung einer obligatorischen Sicherheitsveranstaltung vorgesehen. Dies mit dem Ziel in Zukunft Freiwillige für den Zivilschutz rekrutieren zu können. Nicht nur die FDP hat sich gegenüber der Einführung kritisch ausgesprochen. Wichtig ist, dass aus einer solchen Sicherheitsveranstaltung tatsächlich ein Nutzen generiert wird und nicht nur Verfahrens- und Bürokratiekosten entstehen. Ebenfalls wichtig ist zu klären, wie die Aufgabenteilung zwischen Kanton und Gemeinden aussehen wird. Nichts ist aber auch keine Option. Sollte der Aufwand und Ertrag für diesen Tag in keinem Verhältnis stehen, so müssen wir den Mut haben diesen Tag nach einigen Jahren wieder abzuschaffen. Wir müssen aufpassen, dass wir die Milizstrukturen im Bevölkerungsschutz (Regionale Führungsorgane RFO), nicht überfordern und ihnen neue Aufgaben aufbürden, die in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen.

Das Geschäft wurde im Rat in der ersten Beratung gutgeheissen und mit einigen Prüfungsaufträgen der FDP-Fraktion hinsichtlich der zweiten Beratung vom kommenden Frühjahr versehen.

FDP-Petition zur Stärkung der Wasserkraft:
Jetzt unterschreiben!


Mitmachen:
Alle Informationen und Unterschriftenbogen zum Download finden Sie unter www.fdp.ch/petition-wasserkraft.

Vielen Dank für die Unterstützung!

Kaum umstrittene Punkte



Dr. Tobias Hottiger, Grossrat, Ressortleiter Gesundheit und Soziales, Zofingen
tobias.hottiger@grossrat.ag.ch



Sozialhilfe- und Präventionsgesetz findet breite Zustimmung im Grossen Rat

Die Änderungen im Gesetz über die öffentliche Sozialhilfe und die soziale Prävention (SPG) haben in der 1. Beratung nur zu wenigen Diskussionen geführt. Am meisten Wirbel gab es noch um die Höhe der Alimentenbevorschussung.

Die Botschaft war in drei Gesetzesvorlagen gegliedert. Zu Teil A gehörten die Umsetzung der Inkassohilfe gemäss bundesrechtlichen Vorgaben sowie die Neuregelung der Alimentenbevorschussung. Letztere ist im Kanton Aargau nur für Unterhaltsansprüche von Kindern vorgesehen. Nachdem die Bevorschussung bisher lediglich für den Barunterhalt (Nahrung, Kleider usw.) galt, soll neu auch der Betreuungsunterhalt (Lebenshaltungskosten des betreuenden Elternteils) dazu zählen.

Diese Änderung war unbestritten – uneinig war sich der Rat nur bei der Höhe der maximal zulässigen Bevorschussung. Die links-grünen Fraktionen wollten diesen Betrag mit Hilfe der Mitte sowie einem Teil der GLP gegenüber dem geltenden Recht verdoppeln, unterlagen aber gegen die Mehrheit des Rates inkl. FDP, womit die maximal zulässige Bevorschussung weiterhin auf Höhe der maximalen einfachen Waisenrente gedeckelt ist. Diese Lösung ist mit weniger finanziellen Unsicherheiten für die Gemeinden verbunden. Zudem orientieren sich auch diverse andere Kantone an der maximalen einfachen Waisenrente. Teil A wurde mit 126:1 Stimmen angenommen.
 
Bedingungen bei Observationen klar geregelt
 
In Teil B ging es um die Schaffung einer rechtlichen Grundlage für Observationen bei Verdacht auf missbräuchlichen Bezug von Sozialhilfeleistungen. Dies entspricht dem politischen Willen auf kantonaler und nationaler Ebene. Es ist korrekt, dass man hier genau hinschaut. Die Bedingungen, unter denen eine Observation durchgeführt werden darf, sind klar geregelt. Es ist definiert, in welchen Fällen, an welchen Orten und mit welchen Mitteln man jemanden überwachen darf – wie es sich für einen Rechtsstaat gehört. Teil B fand ebenfalls grosse Zustimmung (123:5).

In Teil C wurden einige weitere Punkte im SPG angepasst, was kaum zu Diskussionen Anlass gab. Dieser Teil wurde mit 128:0 Stimmen bei 1 Enthaltung angenommen.

Neuregelung für die Sonderschulzuweisung

 


Jeanine Glarner, Grossrätin, Vize-Fraktionspräsidentin, Gemeindeammann, Möriken-Wildegg
jeanine.glarner@grossrat.ag.ch



Der Kanton muss ein bedarfsgerechtes Angebot an Sonderschulplätzen schaffen oder zahlt an Privatschulen mit

Der Grosse Rat überwies eine Motion für eine Neuregelung in der Sonderschulfinanzierung mit 80 zu 39 Stimmen. Kommt der Kanton seiner gesetzlichen Pflicht zur bedarfsgerechten Bereitstellung von Sonderschulplätzen nicht nach, so muss er Zuweisungen an Privatschulen mitfinanzieren.

Eine Zuweisung in eine Sonderschule bedarf vorgängig einer Abklärung durch den Schulpsychologischen Dienst (SPD). Kommt der SPD zum Schluss, dass eine Beschulung in einer Sonderschule angebracht ist, können die Gemeinden eine Zuweisung beschliessen.

Das Problem ist aber, dass es im Kanton Aargau zu wenige anerkannte Sonderschulplätze gibt. Wird kein Platz gefunden, müssen die Gemeinden auf Privatschulen ausweichen, die aber vom Kanton nicht mitfinanziert werden. Und dies, obwohl der Kanton die gesetzliche Pflicht hätte, genügend Sonderschulplätze zu schaffen.

Ausreichend Sonderschulplätze wichtig für ganzes System

Genügend Sonderschulplätze sind dringend notwendig. Es ist zentral, dass Kinder, die nicht in die Regelschule gehören, an eine anerkannte Sonderschule zugewiesen werden können. Ansonsten leiden darunter nicht nur alle anderen Schülerinnen und Schüler, sondern auch das betroffene Kind. Und: Die vom Kanton forcierte integrative Schulung vertreibt uns die Lehrerinnen und Lehrer, weil sie ihrem Berufsauftrag nicht nachkommen können und verständlicherweise schlichtweg keine Lust mehr haben, Schülerinnen und Schüler zu betreuen, die nicht in die Regelschule gehören.

Im Übrigen: Es wird nicht zu einem Fehlanreiz und einer inflationären Sonderschulzuweisung kommen. Einerseits braucht es weiterhin eine Abklärung durch den SPD und andererseits kostet ein Sonderschüler die Gemeinden ein Vielfaches als die Integration in der Regelschule.

Aktueller Vorstoss aus der FDP-Fraktion


Motion von Grossrat Yannick Berner, Aarau, und Mitunterzeichnenden
 
E-Voting im Aargau – jetzt!
Der Regierungsrat wird aufgefordert einen weiteren E-Voting Versuch zu lancieren, sobald die sicherheitstechnischen Abklärungen des Bundes abgeschlossen sind. Denn Umfragen zeigen, die Aargauerinnen und Aargauer stehen E-Voting gegenüber positiv. Zwei Drittel der Bevölkerung, vor allem junge Erwachsene, befürworten eine Einführung. Auch im Sinne der Standortpolitik soll der Kanton Aargau eine Vorreiterrolle einnehmen und die digitale Verwaltung stetig fördern.

Ratsgeflüster

Neben- und Mitgeräusche der letzten Grossratssitzung

Ausführlich bis ausschweifend debattierte der Grosse Rat am Dienstag zur Thematik Ladeinfrastruktur für E-Autos bzw. einem Postulat zu deren (befristeten) finanziellen Förderung. Jonas Fricker (Grüne) unterstellte der FDP-Fraktion, nicht umweltfreundlich zu sein, wenn man die flächendeckende Förderung von Ladekapazitäten nicht unterstütze. Derweil nahm Uriel Seibert (EVP) die Freisinnigen in Schutz und teilte deren Position. Seitens der FDP selbst hielten Jeanine Glarner und Titus Meier mit Nachdruck fest, dass eine Förderung letztlich noch nie befristet gewesen sei, ursprüngliche Absicht hin oder her. Zum Ende einer engagierten Debatte sorgte Energiedirektor für einen kurzen Moment der Unruhe, als er in seinem Votum anmerkte, das Postulat sei nicht bestritten. Adrian Meier (FDP) und Mario Gratwohl (SVP) stürmten von beiden Seiten zum Präsidiumspodium, um diese Aussage zu korrigieren, was entsprechend getan wurde. Und als sei das Traktandum nicht schon genug turbulent gewesen: aufgrund eines Patts 64 Ja zu 64 Nein konnte Grossratspräsidentin Elisabeth Burgener (SP) den Stichentscheid fällen. Das Postulat wurde überwiesen.

Immer häufiger und lautstark knackt in letzter Zeit das Mikrofon am Rednerpult im Grossratssaal. Anfänglich wurde gemunkelt, dass die Reaktion des Geräts mit der politischen Ausrichtung der Rednerin oder des Redners zu tun hat. Mittlerweile waren aber alle Fraktionen mindestens einmal betroffen, so dass diese These wohl verworfen werden muss. Ob es einfach mit der Qualität des Gesagten zusammenhängt? Abseits der politischen Mutmassungen ist ein simpler Verschleiss der (weiss Gott stark strapazierten) Mikrofonanlage der wahrscheinlichste Grund. Das Ratsbüro befasst sich nun mit einer Erneuerung.

Etwas Mühe mit der korrekten Benennung der Honorationen bekundete Grossrätin Béa Bieber (GLP). So sprach sie Landstatthalter Jean-Pierre Gallati (SVP) in einem Votum zuerst mit "Herr Landratspräsident" an. Jean-Pierre Gallati hat eine klassische politische Ochsentour absolviert, er war SVP-Ortsparteipräsident, Einwohnerrat, Grossrat, Fraktionspräsident, Nationalrat und ist aktuell Regierungsrat und Landstatthalter. Landratspräsident war er aber definitiv nie. Seine ganze politische Karriere bestritt er im Aargau, der "Landrat" heisst hierzulande bekanntlich "Grosser Rat". Zumindest den Mitgliedern des Rates ist dies im Idealfall bekannt.

Nicht belohnt wurde ein sportlicher Intensiveinsatz von FDP-Grossrat Tobias Hottiger beim Versuch, rechtzeitig seinen Platz im Ratssaal zu erreichen, um an einer Abstimmung teilnehmen zu können. Den Platz erreichte er dank einem beherzten Sprint zwar, bis er jedoch die mitgetragenen Akten abgelegt hatte, um den Abstimmungsknopf zu drücken, war das Zeitfenster für die Stimmabgabe geschlossen. Ein Trost mag ihm sein, dass seine nicht abgegebene Stimme aufgrund des klaren Abstimmungsresultats in diesem Fall nicht entscheidend war.


Ratsflüsterer

Die Sicherheitspolitik hat Konturen gewonnen



Hans-Peter, Widmer, ehemaliger Redaktor und Grossrat, Hausen
hanspeter.widmer@hispeed.ch


Anlass FDP Seniorinnen und Senioren Aargau mit Referat von Nationalrätin Maja Riniker

Der Ausbruch des Ukrainekriegs bestätigte weitgehend die Bedrohungslage, wie sie der Bundesrat schon ein Jahr zuvor im Sicherheitspolitischen Bericht skizzierte. Aber welche Schlüsse werden aus den realen Erkenntnissen für unsere Armee, den Zivilschutz und die internationale Zusammenarbeit gezogen? Das erläuterte die Nationalrätin und profilierte freisinnige Sicherheitspolitikerin Maja Riniker, Suhr, den Aargauer FDP Seniorinnen und Senioren im Aarauer «Schützen».

Maja Riniker, 44-jährig, verheiratet und Mutter von drei Kindern, schaffte vor drei Jahren den Sprung vom Grossen Rat in den Nationalrat. Die FDP-Fraktion delegierte sie in die Sicherheitspolitische Kommission, wo sie quasi in die Fusstapfen der zurückgetretenen Aargauer Nationalrätin Corina Eichenberger trat. Wie ihre Vorgängerin, erwarb sie im Parlament in Kürze die Reputation einer profunden Sicherheitspolitikerin; vor zwei Jahren übernahm sie auch das Präsidium des Schweizerischen Zivilschutzverbandes.

Den fünfzig versammelten FDP Seniorinnen und Senioren gab Maja Riniker zunächst einen konzisen, humorvoll-offenen Einblick in ihre Aufgaben, mit der Sessions- und Kommissionsarbeit im Mittelpunkt sowie den Begleiterscheinungen des öffentlichen Wirkens, zum Beispiel dem Umgang mit Medien, der Vernetzung, aber auch der Konfrontation bis zu persönlicher Anfeindung, wie Mails aus Social-media-Quellen zeigten.

Genaue Beobachtung des Kriegsgeschehens

Den Hauptteil ihrer Ausführungen widmete die Referentin den Auswirkungen des Ukrainekrieges auf die schweizerische Sicherheitspolitik. Dabei konnte sie auf persönliche Erfolge hinweisen: Sie vertrat mit Ständerat und FDP Schweiz-Präsident Thierry Burkart früh, an vorderster Front und erfolgreich die Erhöhung des Armeebudgets. Vor 30 Jahren lagen die Armeeausgaben um 170 Franken pro Kopf höher als heute, sie entsprachen damals 15,7 Prozent statt nur 6 Prozent der jetzigen Gesamtausgaben. Aber ab 2024 sollen sie gemäss Parlamentsbeschluss jährlich schrittweise steigen. Mit dem Kauf des besten Kampfflugzeuges F 35 und der Beschaffung moderner Panzerabwehr-Lenkwaffen verstärke die Armee ihre Kampfkraft, sagte Maja Riniker. Weitere Lücken würden evaluiert und nach Prioritäten behoben.

Die Schweiz verfolge die russische und ukrainische Kriegführung genau, vor allem Kampfhandlungen im urbanen Raum mit dem herausfordernden Schutz der Zivilbevölkerung. Es gelte, sich gegen alle Möglichkeiten der hybriden Kriegsführung – der Mischform von offenen und verdeckt zur Anwendung gebrachten regulären und irregulären, symmetrischen und asymmetrischen, militärischen und nicht-militärischen Konfliktmitteln – zu wappnen. Dazu gehöre nicht zuletzt die Abwehr von Cyberangriffen, die jetzt in der Armee verstärkt werde.

Maja Riniker sprach sich auch grundsätzlich für die Stärkung der internationalen Kooperationen aus. Ein Nato-Beitritt stehe ausser Frage, aber eine verbesserte Interoperabilität wäre wichtig. Natürlich müssten dafür zuerst die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, erklärte die Referentin – und sie mache sich keine Illusionen, dass der Widerstand dagegen programmiert sei; doch gelte es, nach mehrheitsfähigen Lösungen zu suchen.  

Genug Schutzplätze, zu wenig Personal

Verständlicherweise warf die Verbandspräsidentin auch einen Blick auf den Zivilschutz, der auf neuere Herausforderungen justiert werden müsse. "Wir sind gut in der Bewältigung von Naturereignissen", bilanzierte Maja Riniker. Jetzt rückten Pandemie- und Energiekrisen ins Blickfeld, aber auch die Unterbringung und Betreuung von Migranten oder eben das Kriegsgeschehen mit all seinen Auswirkungen. Die Zahl der vorhandenen Schutzplätze sei hoch genug und nicht das Problem, sondern vielmehr deren Verfügbarkeit, beziehungsweise die nötige Instandstellung. Die Information der Bevölkerung müsse verbessert werden.

Sorgen bereitet der Zivilschutzchefin das Rekrutierungsproblem. Es fehlen 3’500 Zivilschutzleistende im Jahr. Katastrophendienst und Zivildienst müssten zusammengelegt werden. Sowieso stehe eine Dienstmodell-Diskussion an – beispielsweise mit einem allgemeinen Bürgerdienst oder, allenfalls einem Militärdienst-Obligatorium für Frauen, den sie allerdings nicht zielführend fände, sagte Maja Riniker. Ihren aktuellen sicherheitspolitischen Überblick, der von Ursula Brun Klemm, der Leiterin der FDP-Seniorengruppe, herzlich verdankt wurde, beschloss eine Fragerunde, in der ein Teilnehmer meinte: "Brauchte es wirklich einen Krieg, um auf die Welt zu kommen?"
Nationalrätin Maja Riniker während ihres Referates und im Austausch mit Ursula Brun Klemm, Präsidentin FDP Seniorinnen und Senioren Aargau. (Fotograf Hans-Peter Widmer)


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Redaktion: Stefan Huwyler, Grossrat, Geschäftsführer/Fraktionssekretär FDP.Die Liberalen Aargau

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